"Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so." - Epiktet


1.2. So mir geht es blendend heute. Die erste Nacht mal ohne 1-2 Shirts durchzuschwitzen und ohne aufstehen. Blutwerte nicht mehr beim Wein im Keller-jippey. Jetzt kann ich die letzte Woche noch genießen. Haare sind abrasiert.. ging ja gar nicht. Zuerst extrem beim bürsten..und dann hat mir schon so die Kopfhaut wehgetan…richtig ekelhaft. Also ein Mützchen gekauft und ab. Ich dachte, ich werde da nochmal richtig traurig sein, aber nix. 

 

2.-5.2. Alles okay, mir geht es sehr gut. Was mir etwas Sorgen bereitete, waren andauernde Bauchschmerzen. Wir waren deswegen gestern bei der Ärztin, die aber rein gar keine Auskunft gab, was es sein könnte. Ich habe ihr immer wieder Vorschläge gemacht, was ich denke und sie sagte nur immer: „Ja, kann schon sein.“ Danke.. da ist man dann sehr beruhigt. Mein Arzt war nicht da. Also bin ich heute zu meinem Hausarzt und er hat keine Entzündung gefunden und hat mich zur Gynäkologin überwiesen zur Sicherheit. Er hat es wenigstens ernst genommen und auch gesagt, dass es besser ist, wenn man einmal mehr zum Arzt geht. Die Frauenärztin hat mich ausgiebig untersucht und zum Glück war alles super…also kann ich beruhigt davon ausgehen, dass es einfach eine Nebenwirkung von irgendeinem der tausend Medikamente ist. Noch ein paar Tage, dann geht es wieder los. Bin schon gespannt, wie das ganze dieses Mal ausgeht. Ansonsten.. ja die Leute glotzen..beim einkaufen z.B. die jungen Leute speziell… sie denken doch wirklich, man hat die Haare einfach so abrasiert oder was… vorhin im Kaufland: „Guck mal , guck doch mal die!“ flüsterten so ein paar junge Typen. Gut, dass mich sowas nicht stört. Ich weiß auch nicht, mir würde sowas nie im Leben einfallen…Trotzdem setze ich die Perücke nicht auf… nicht wegen so ein paar Idioten. Ich find mich schick. Die Deppen unserer Gesellschaft werden mich politisch einordnen wollen… genauso, wie sie es immer tun… jemanden in eine Schublade schieben… Aber das ist ein anderes Thema..

9.2. Beginn 2. Zyklus BEACOPP:

9/10.2. Das Gespräch mit dem Arzt war recht aufmunternd, weil er mir sagte, dass diese Therapie nicht so hefig anschlagen würde, wie die erste. Er sagte aber auch, dass sie die Dosis leicht runter gesetzt haben wegen der Blutkörperchen und wenn der Hämoglobin-Wert weiter sinkt, dann sollte man an eine Bluttransfusion denken oder ich werde gedopt wie die Radfahrer…lol. Naja kurz danach eben die ganzen Infusionen:

Dauer- 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr ca.

Während der Infusionen habe ich schon gemerkt, dass es mir nicht gut ging und es wurde an dem Abend dann auch noch schlimmer. Dieses Mal war mir richtig übel und ein Eimer wurde auch des Öfteren benutzt. Die Nacht konnte ich komischerweise trotzdem schlafen, aber bin alle paar Stunden aufs Klo gerannt. Und meine Gliedmaßen haben sich angefühlt wie Blei.. Mein Kreislauf war im Eimer beim Laufen und mir war so richtig doll schwindelig. Genau wie heute Morgen: Übelkeit, Starker Schwindel, Schwäche und nur am heulen wieder. Ich dachte schon wieder, dass es nicht vorbeigehen wird. Habe dann doch nach einem Gespräch mit dem Arzt verlangt, um vielleicht irgendwas zu bekommen dagegen. Er gab mir Beruhigungspillen und legte mir nahe, dass es doch trotzdem sehr wichtig sei, die Therapie auch heute fortzuführen. Naja EKG war okay und Blutdruck auch-sehr seltsam. Habe aber heute aufgrund meines Zustands ein Bett bekommen, war auch ganz gut so .War auch gefühlte 30 mal Wasser lassen- ist auch das allerwichtigste. Danach ging es mir schon viel besser…  müde aber glücklich das schlimmste erstmal wieder überstanden zu haben.

12.-16.2. Alles war eigentlich ganz in Ordnung. Ich hatte nicht die mega Kraft aber ich hatte ansonsten keine Probleme. Im Gegenteil- meine Freundin ist extra aus Berlin angereist , um mich zu besuchen. Wir hatten 4 superschöne Tage und es hat mir sehr gutgetan.

Dann am 16. Sollte ich meine restliche Chemo bekommen. Vinchristin und Bleomycin in Spritzenform und auch meine Hormonspritze. Alles ging ganz schnell.. wahrscheinlich zu schnell.. zu Hause habe ich erst noch nichts gemerkt …später wurde mir extrem kalt und ich musste mich hinlegen. Es wurde immer noch kälter und bei jeder Bewegung zitterte ich wieder vor Kälte. Es war richtig schlimm.. mir wurde auch zunehmend übler . Nach einer ganzen Weile schlug dieses Frieren dann in extreme Hitze um und mir wurde noch viel schlechter. Das Thermometer zeigte stetig etwas höhere Werte an. Das waren dann wohl die Fieberschübe, von denen mein Arzt das letzte Mal gesprochen hatte. Meine Ma erreichte den Arzt nicht.. 2 Stunden lang haben wir gewartet .. ungaublich- von wegen Notfallnummer. Ich habe dann auf Anweisung des Arztes mein Antibiotikum eingenommen. Kurz darauf ging alles ganz schnell und ich habe mich übergeben wie ein Weltmeister.. so schlecht war mir glaube ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich dachte wirklich während des Ausleerungsvorgangs daran, dass  das Leben doch so schnell vorbei sein kann- ich kam darauf, weil das ganze so wehgetan hatte, dass ich in dem Moment das Gefühl hatte, daran zu ersticken.

Naja wir sind danach gleich zum Notdienst ins Krankenhaus gefahren-wegen dem Fieber. Dort war die Hölle los und ich durfte mich dort auf ein Bett legen-es hieß, man wird so schneller behandelt. Pustekuchen. Nach über zwei Stunden kam der Sack von Arzt, der sich schön Zeit bei anderen Patienten lies und private Gespräche führte.Wut. Während ich da lag, hatte ich einen Mundschutz dran, weil dort viele erkältet waren. Zudem hatte ich mords Kopfschmerzen die ganze Zeit über. Ja der Arzt war dann so ein arroganter Vollidiot, der mir dann erzählte, dass mein Blut so schlecht ist, dass er mich hier behalten muss. Ich habe zwar keine Lust dazu gehabt, aber mir war schon irgendwie klar, dass der rapide Abfall aller Blutkörperchen sehr gefährlich sein kann. Er hatte es jedoch dann so ausgelegt, dass ich mich dagegen wehre( hatte ich nicht) und hat mir noch einmal das mit dem Blut erzählt- danke ich weiß alles ganz genau über mein Blut-und ER sagt es nur –was ich mache, ist ihm egal- ER muss mir aber sagen, dass ich unbedingt hier bleiben muss. 

Er hatte meine Frage immer nicht verstanden- ich habe gefragt, wie das dann ist, ob ich in ein Zimmer allein komme und wie das abläuft.Darauf sagte er nur so total gelangweilt arrogant, dass ich doch bei andern rein kann. Ich erzählte ihm also nochmal , worum es mir geht- um die ANSTECKUNGSGEFAHR. Nein, er meinte, dass die anderen ja dafür krank sein müssten. ( dass mit dem Mundschutz fand er auch albern,-die Schwestern seien immer so übervorsichtig) Blut: Leukozyten 0,1 !!!  Okay .

Aber  ich dachte dann, dass er ja nun Arzt ist, und man ihm vielleicht doch vertrauen sollte.Hätte ich mal auf mein Gefühl gehört. Die Fette Krankenschwester ( ey so ein Tier und eklig) wollte mir dann meinen Port anstechen wegen der Infusionen…  EY DIE ALTE IST MIT IHREM GESAMTEN KÖRPERGEWICHT AUF MEINEM PORT GEWESEN,WEIL DIE NADEL NICHT REIN GING!!! Halllo???? Ich habe ihr sogar noch vorher gesagt, welche Größe sie nehmen muss. Die hat ihre ganze Unsicherheit in Tonnen Desinfektionsspray verpackt…meiner Mam wurde ganz schlecht von die ihrem Getue mit der Nadel.Grausaaaam.Ich bin wirklich nicht zimperlich, aber das tat richtig weh.Dann hat sie das Handtuch geschmissen und gesagt, dass sie es einfach nicht hinbekommt und hat den Arzt geholt.Ääääää????

Was war das denn.. ich dachte schon, die hat mir meinen Port kaputt gemacht..ey aber dann wär Polen echt offen gewesen. Naja der Arzt… der Sack hat mir das Ding so reingedreht, dass ich währenddessen geschrien habe-halllloooo????? Ey das Teil kann ich mir wahrscheinlich so gar selber mal schnell reinmachen wenn es sein muss- das geht eins, fix , drei bei den Schwestern in meiner Klinik- wohl bemerkt- OHNE Schmerzen. Nagut das Teil war dann jetzt drin-mehr oder weniger-denn die Nadel war nicht passend für meinen Port und stand ca 1 cm drüber.Ich wurde dann auf Station gefahren… lag in einem Mini-Zimmer , links und rechts von mir zwei schnarchende Omis. Gute Nacht. Am nächsten Morgen kam dann mal irgendwann jemand, der sich mit Krebs auskennt und schickte mich sofort nach Hause- er hätte mich gar nicht aufgenommen und warum ich hier sei… ey.. darf nicht wahr sein. Er sagte , dass hier viel zu viele Keime sind und dass es hochgefährlich für mich ist. Ich dachte an den Sack-Arzt…und drehte ihm gedanklich den Hals um. Nagut noch in die Klinik gefahren und Blut gezogen, denn ich bekomme nun eine Transfusion. Naja so war das. Nur gut zu wissen, dass manche Ärzte so mit dem Leben anderer spielen. Fazit- nie glauben, was die sagen.Immer hinterfragen. Ich bekomme jetzt morgen mein Blut. Am 22. CT.

17.2.-21.2. Tja, was soll ich sagen…  Die letzten Tage waren sehr ereignisreich. Meine Blutprobe ist angeblich auf dem Weg nach Ulm weggekommen, weswegen ich noch einmal in die Klinik musste…(Blut sollte an dem Tag eigentlich schon da sein)…bald auf allen Vieren, denn ob man es glaubt oder nicht, Hämoglobin ist wirklich sehr wichtig für das allgemeine Wohlbefinden… Lebenssaft. Man ist einfach nur fertig, müde, kalt, ständig aus der Puste, Kreislauf –alles Mist. Am nächsten Tag habe ich zwei Päckchen Thrombozytenkonzentrat intravenös bekommen und am Nachmittag mein Erythrozytenkonzentrat= Bluttransfusion. Eigentlich sollte ich vorher ein Gespräch mit dem Arzt haben, weil ich auch einen Einverständniszettel unterschreiben muss.

Tja, nur bekam ich kein Gespräch, obwohl ich so eine Panik vor der Sache hatte. Naja die Nebenwirkungen, die dort aufgezeigt sind, haben es aber auch in sich. Klar, das ist sehr unwahrscheinlich, aber hey , ich hänge doch ein wenig an meinem Leben und hätte lieber dieses EPO bekommen, aber mein Arzt war nicht da und somit Pech gehabt. Das fremde Blut 0 Rhesus positiv Kel negativ von Spender X lief also in mich hinein und mir war gar nicht wohl dabei….gar nicht wohl. Plötzlich bekam ich einen verdammten Hustenreiz, wenn ich einatmete und das löste eine Panik in mir aus. Ich sagte es heulend der Schwester, die es auch nicht normal fand…sie sagte es der einen Ärztin… und die kam einfach nicht… ich bin dann dort herumgelaufen wie Falschgeld… leicht hysterisch. Frau Doktor verstand die Aufregung nicht und versicherte mir, dass es nicht vom Blut kommen kann. Ich dann gleich ausgetickt und sie vollgeheult, angeschrien und alles was so gibt, wenn man Angst hat.

Naja ich habe ihr dann alles an den Kopf geworfen was mich so ankotzt und sie hat es sich angehört. ZB. Dass, die mich tagelang ohne Blut rumlaufen lassen, hinkommen lassen, obwohl ich keine Kraft mehr dazu habe, ohne Schutz vor einer Erkältung, die für mich tödlich mit 0,1 Leukozyt enden kann, dass die Notfallnummer keine ist, weil keiner ran geht, sich keiner um mich kümmert, wenn mein Arzt in Urlaub ist, dass die im Krankenhaus keine Ahnung von Krebs haben und was ich da erlebt habe,.. ja solche Dinge. An diesem Tag bin ich eben mal emotional explodiert… war einfach alles zu viel. So, und was ist also passiert?? Ich habe mich mächtig erkältet, zum Glück ist es bisher nicht eitrig und ich habe kein Fieber-sonst muss ich sofort zum Arzt. Entweder es kam von der inneren Unruhe und dem Stress oder durch das Krankenhaus. Hätte jedenfalls in beiden Fällen nicht sein müssen. Nachts schwitze ich 5 Schlafanzüge durch. Die Nacht wird also ständig unterbrochen. Soweit bis jetzt. Morgen CT.

22.2. CT Tag… früh um acht sind wir also zum CT gefahren. Ich war noch total fertig von der Nacht, da ich mich wieder so oft umziehen musste und dazu sehr heftige Knochenschmerzen hatte. Die Erkältung war wenigstens schon um einiges besser. Ich trank also wieder 1 Liter dieser ekelhaften Kontrastflüssigkeit auf nüchternen Magen und dann ging es los. Ich sagte dem Arzt bescheid, dass mir das letzte Mal so schlecht geworden ist, als das andere Kontrastmittel(über die Vene) reinlief, also änderten sie den Ablauf und es war alles paletti. Dann wieder warten… Mam und ich waren beide so aufgeregt, dass wir im Warteraum schon heulen mussten. Der Arzt holte uns und zeigte uns die Bilder- er sagte, dass es schon ganz gut aussieht und die Therapie wohl schon sehr gut angeschlagen hat… eine sehr gute Nachricht! Er sagte aber auch, dass sich die Lymphknoten im Bauch verkleinert haben, was bedeutet, dass ich nun doch das Stadium 3 habe. Den genauen Befund kennen wir aber noch nicht.

Danach ging es zur Blutabnahme und ich konnte gleich fragen, was das mit den üblen Knochenschmerzen auf sich hat. Die sind von den Neulasta Spritzen( für die Stimulierung der Leukozyten) Davon hatte ich die Woche zuvor insgesamt 3 Stück bekommen. Jetzt produziert mein Knochenmark wie bekloppt die Leukozyten und das tut wohl dann so weh. Ich habe gelesen, das eine von diesen Injektionen 1600 Euro kostet… und die haben mir ja eine aus Versehen gegeben- ja wir treten alle mal gründlich meiner Krankenkasse in den Hintern…und verdient hat sie es sogar.

An diesem Tag war ich auch noch bei einem Heiler. Es war ein sehr intensives und wunderbares Erlebnis. Ich werde das jetzt hier nicht alles niederschreiben, was wir dort erlebt haben, weil man es auch eigentlich gar nicht wirklich beschreiben kann. Ich kann nur eines dazu sagen- Unser Körper, unser Geist und unser Glaube können eine Kraft erzeugen, die übersteigt, was man sich vorstellen kann. Wer einmal mehr darüber erfahren möchte, und wie er zu diesem Heiler kommt, kann mich gern fragen.

23.2. Ich kann fast durchschlafen- nur ein Shirt.

24.2. Ich kann durchschlafen-kein Shirt. Alles super, bis auf eine Entzündung im Darm. Blutbild-zum totlachen… Leukozyten sind auf 26 000!Ich kann jetzt quasi 3 Grippen gleichzeitig haben und werde in 2 Stunden wieder gesund-lach. Der Arzt sieht mich und gratuliert mir zum Befund vom CT und rennt wieder los- ich rief ihm noch hinterher- ÄÄÄh… ich kenne meinen Befund noch gar nicht… danke… ja hätte mir selber auch gern gratuliert. Muss ich das eben nächste Woche machen, wenn ich einen Sprechstundentermin habe. Aber so wie ich in der Chemo gelitten habe schon bisher … müssen die scheiß Tumore ja auch gelitten haben. So, Zeit bis Dienstag werde ich noch genießen, ehe es weiter geht.

26.02. CT Befund Besprechung: Endlich wieder ein Termin mit meinem Onko-Onkel. Der Befund sagt uns, dass wir wohl das richtige tun, denn die Tumore sind überall um die Hälfte gechrumpft und manche sind gar nicht mehr zu erkennen. Dieses Zwischen-Staging ordnet mich in ein Stadium 3A ein-Also zu den Tumoren unter den Armen,hinterm Brustbein und am Hals kommt ein Befall auf beiden Seiten des Zwerchfells hinzu. Der Arzt sagt aber, dass der Befall dort nur noch sehr gering sei, weil die Therapie sehr gut gewirkt hat. Er fragte mich, ob ich ein anderes Chemo-Schema haben möchte, weil ich ja nun doch sehr gelitten habe mit BEACOPP.Aber ich will das auf die harte Tour haben jetzt, denn diese Scheiße will ich nicht nocheinmal bekommen. Mit der Reduzierung der Dosis war ich jedoch einverstanden. Die beste Nachricht war für mich an diesem Tag, dass er wahrscheinlich gar keine Strahlentherapie danach für mich anordnen wird. Die genauen Beweggründe dazu kenne ich nicht, aber ich vermute, dass das mit der bisherigen Größe der Knoten zu tun hat- sie sind schon sehr klein geworden und die Antigentherapie wird reichen, um sie am Ende, wenn noch welche übrig sein sollten, zu killen. Das wäre schön- ich will nicht gegrillt werden. 

>>März: Beginn des 3. Zyklus 02.03.2010<<

 

 

 

 

 

 

 

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